Von Mäusen und Cabrio-Sonnen

Guten-Nacht-Rituale sind ja bekanntermaßen einer der neuralgischen Punkte im Familienalltag. Nicht umsonst gibt es ein Buch mit dem Titel „Go the fuck to sleep“ eines amerikanischen Autors (glaube ich), das sich anscheinend sehr erfolgreich verkauft. In unserer Familie gibt es die Bettkantengeschichte – aber nicht etwa vorgelesen, sondern bitteschön aus dem Stehgreif von Mama erfunden. (Papa hat hier leider weder Kernkompetenzen noch Akzeptanz bei der Zielgruppe). Sozusagen das allerletzte Betthupferl, nach dem ganzen Umzieh-Zähneputzen-Vorlese-Wahnsinn, der sich manchentags in die Länge zieht wie ein hochkomplizierter Nasa-Raketenstart.

Ich hatte irgendwann damit angefangen (100 Mutti-Bonuspunkte – es ist ja auch wirklich wunderschön, eine live und persönlich erfundene Geschichte erzählt zu bekommen) und es dann oft verflucht, aber trotzdem zähneknirschend an vielen Abenden eine improvisierte Spontangeschichte geliefert. Wenn ich in Hochform war, habe ich in die Geschichten sogar gerade anliegende Themen untergebracht (z.B. Angst vor dem Arztbesuch, Kindergeburtstag, Einschulung, eben alles was in einem Kinderleben so auftaucht und verarbeitet werden will). Es sei denn, es war schon megaspät oder meine Nerven wirklich völlig am Ende.

Auf diese Weise haben wir also die Abenteuer eines kleinen Tigers namens Toggy und seinen Freunden miterlebt sowie das rasante Leben eines kleinen Rennwagens (in Anlehnung an einen sehr bekannten Kinofilm) in unzähligen Folgen miterlebt. Aktuell ist gerade „Die Maus“ am Start. Aus dem Hochbett tönt es dann abends regelmäßig heraus: „Ist die Maus zuhaus?“. Mit der „Sendung mit der Maus“ hat das übrigens gar nichts zu tun, entstanden ist das Thema vielmehr aus der „Ein-Satz-Geschichte“, die ich in meiner Verzweiflung zuletzt eingeführt hatte. („Du willst wirklich noch eine Geschichte? Also gut, aber nur gaaanz kurz!“) Kurz? Pustekuchen: Mittlerweile hat die Maus schon fliegen, schwimmen und tauchen gelernt, war am Nordpol und hat ihre Freundin die Waldmaus aus den Klauen eines Adlers gerettet. Und gestern abend war sie eben im Weltraum. Meine Kinder liefern mittlerweile gerne das Stichwort zur Geschichte (z.B. „Heute fliegt die Maus um die Welt“) – und ich kann dann schauen, wie ich das gebacken bekomme.

Immerhin: Bei der Bettkantengeschichte gibt man nicht nur etwas, sondern bekommt manchmal auch etwas – nämlich einen Extra-Einblick in den Kinderkosmos durch spontane Kommentare oder Fragen der Kids. Bei der Gelegenheit tat mir mein mittleres Kind neulich auch seine eigenen Vorstellungen vom Astronautendasein kund: „Mama, ich werde kein Astronaut.“ Ich: „So? Warum denn?“ Kind:“Da gibt’s immer Sushi zu essen und diese scharfe Soße!“ Ich: „Hä?“ Kind: „Und Salat und Gurke!“ Ich: „Woher weisst Du denn das?!“ Kind: „Na das steht in meinem Weltraumbuch“ Ich: „Das schauen wir morgen nochmal nach, ok?“ Kind: „Und zu Trinken Cabrio-Sonne!“ Ich: „Iiih gitt, wie eklig, dieses Zuckerwasser…“ (Anm.: Mein Kind liebt Capri-Sonne. Dieses Teufelszeug – das ich selbst in meiner 70er-Jahre-Kindheit seltsamerweise ohne Langzeitschäden konsumiert habe – hat es bisher genau einmal getrunken, nämlich als „Mitgebsel“ bei einem Kindergeburtstag.)

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