Warum ich nie einen Cupcake backen werde

Sie sehen doch wirklich schön aus: So bunt , süß und cremig. Einfach zum Anbeißen – diese Cupcakes, die in Zeitschriften, Buchtiteln und auf vielen Food-Blogs perfekt inszeniert zum Nachbacken anregen sollen. Oder? Beim Anblick dieser makellos gestylten Fotos bekomme ich leider immer so ein seltsames Gefühl. Ich werde dann nämlich aggressiv. Es ist, als ob diese vielen kleinen bunten Häubchen zu mir sprechen würden. Es ist, als ob sie sagen würden: „Schau mal, das könntest Du auch schaffen, wenn Du dich nicht immer so anstellen würdest! Das kriegen doch auch andere Mütter hin, neben Haushalt, Kindern und Beruf. Beim nächsten Kindergartenbuffet wärst Du der Star mit uns…“
Es ist nicht so, dass ich Cupcake-Liebhaber generell kritisieren möchte. Jedem das Seine (wenn er den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat), und es sieht ja wirklich hübsch aus! Es ist auch nicht so, dass ich nicht backen könnte. Gemessen an den Bedingungen unter denen dies geschieht (meist nachts um 22 Uhr, nachdem das letzte Kind ins Bett gebracht, die letzte Ladung Wäsche in den Trockner befördert wurde und die vorletzte Email geschrieben ist), sind meine Backkünste sogar mehr als anerkennungswürdig, finde ich. Aber das Zeitbudget für mein Back-Pflichtprogramm ist mit drei Kindern und den dazugehörenden Geburtstagen und Kuchenspenden für Schul- bzw. Kindergartenfeste schon mehr als ausgefüllt. Da fehlt dann halt die Muße für die Pistazien-Limettencreme.

Wenn ich mal etwas mehr Zeit hätte, dann gäbe es ohnehin einige andere Dinge, die ich tun würde, bevor ich eine Ladung zuckersüße Küchlein backen würde: Ein Buch lesen, endlich mal wieder joggen gehen, Musik hören, den Garten auf Vordermann bringen, meinen eigenen Kleiderschrank ausmisten, Fußnägel lackieren, und so weiter und so weiter… Aber da hat eben jeder und jede seine persönlichen Präferenzen und das ist ja auch ok.
In mir keimt allerdings seit längerem der Verdacht, dass es sich bei diesen hyper-inszenierten Cupcake-Fotos um ein neues Mittel handelt, den Zickenkrieg zu befeuern. Bzw. um ein neues Mittel zur Selbstkasteiung der modernen Frau. Ein Cupcake ist der kuchengewordene Vorwurf: „Du musst noch perfekter werden, das was Du kannst und tust den lieben langen Tag ist noch immer nicht genug.“ Wenn ich die Fotos auf manchen Food-Blogs sehe, dann läuft mir nicht das Wasser im Mund zusammen, es bricht mir eher der Schweiß aus. Wie lange steht man dafür in der Küche? Wie bekommt man die Küche danach so aufgeräumt wie auf dem Foto? Was machen diese Menschen eigentlich beruflich? Sind sie Konditormeister? Wer soll das alles eigentlich essen und wer passt danach noch in die Jeans?
Willst Du, dass sich eine berufstätige Mutter mal wieder so richtig schlecht fühlt, dann setz ihr zum Kaffeeklatsch Cupcakes vor, erwähne beiläufig, dass Du sie selbstgebacken hast und dass es überhaupt nicht schwierig war. Eine gute Freundin erzählte mir, dass eine ihrer Nachbarinnen tatsächlich ein besonderes Backtalent hat. Zweimal im Jahr lädt sie zur Hausparty ein und sorgt damit für ihren Nachbarinnen für heimliche Beklemmungen und Komplexe. Was diese natürlich niemals offen zugeben würden.
Nein, ich bin einfach keine Cupcake-Mama. Ich kriege einen ordentlichen Marmorkuchen zum Kindergeburtstag hin – wahlweise mit oder ohne Gummibärchen-Schokoglasur. Natürlich auch mal Muffins oder einen Obstkuchen. Das entscheidende Kriterium bei diesen Rezepten ist aber: Geht es schnell bzw. „im Schlaf“? Und: essen es die Kinder auch wirklich?

Zum Schluss noch ein Literaturtipp für alle cupcakegeschädigten Mütter: Der herrliche Roman „I don’t know how she does it“ von Allison Pearson beginnt mit einer Szene, in der die Ich-Erzählerin und berufstätige Mutter spätabends einen gekauften Kuchen demoliert, sodass er als selbstgebacken durchgeht und sie ihn am nächsten Tag zum Sommerfest im Kindergarten mitbringen kann. Respekt!

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