Eine einsame Insel in der dänischen Südsee

Nach mehr als sechs Wochen Blogpause bin ich nun wieder da – Von dem wunderschönen aber auch ziemlich anstrengenden Segelboottrip mit der ganzen Familie musste ich mich anscheinend etwas länger erholen und habe deshalb für einige Zeit in den Kommunikations-„Sparmodus“ geschaltet.

Nun lässt der Herbst schon mehr als eine Ahnung von sich sehen. Und von der Sommer-Segelreise bleiben mit ein paar Wochen Abstand ganz bestimmte Bilder in meinem Kopf hängen. In der sogenannten dänischen Südsee hatten wir die Inseln abgeklappert. Und Vejrö, nördlich von Lolland im Smalandsfahrwasser gelegen, war etwas ganz Besonderes.

Klein und fein: Hotel und Landschaft auf Vejrö.

Klein und fein: Hotel und Landschaft auf Vejrö.


Die winzige Insel – nur 2,6 km lang und 155 ha groß – lebt von und mit der Natur. Hier herrscht kein Massenbetrieb sondern exklusive Beschaulichkeit. Hohe Hafengebühren verärgern manche Segler, seit ein reicher Däne das Eiland gekauft und für den ambitionierteren Tourismus behutsam in Schuss gebracht hat. Allein das Waschhaus mit den modernen, sauberen Duschen war es mir aber wert. So angenehm habe ich auf der ganzen Reise nirgends geduscht, und das ist ja der kleine Wellness- Luxus im Bordalltag (also zumindest für mich extrem wichtig).

Ein Leuchtturm, ein Restaurant, ein Hotel, wenige schöne renovierte historische Ferienhäuser – das wars. Nicht zu vergessen natürlich der wunderbare Sandstrand – im kalten Ostseewasser warten allerdings auch hier zahlreiche Quallen und recht große Krebse! Wer auf die Insel möchte, muss mit eigenem Boot im Hafen anlegen oder mit dem Flugzeug landen. Eine öffentliche Fährverbindung gibt es nicht. (Nun ja, Übernachtungsgäste werden natürlich mit einem Transferboot auf die Insel gebracht…) Als wir dort im Hafen anlegten, waren außer uns nur wenige Boote dort, den Strand und den sensationellen Spielplatz mit einem riesigen Klettergerüst in Schiff-Form hatten wir weitgehend für uns. Abends saßen ein paar andere Segler an den Grillplätzen direkt an der schönen, neu gemachten Marina.

Zu Fuß ist die Insel schnell umrundet, oder man steigt auf eins der kostenlosen Leihfahrräder. Das taten wir auch gleich am ersten Abend und fuhren in der Abenddämmerung zwischen Feldern, Obstbäumen und über die 600 km kurze Graslandebahn auf der Insel herum. Mit ihren Bäumen, Wiesen und Feldern, dem Kräutergarten und den Schafen hat Vejrö eine regelrechte „Heile-Welt“-Atmosphäre“ , die den Besucher fast schon zur Ruhe zwingt.

Früher hausten hier Piraten, Bauern besiedelten die Insel bereits im 16. Jahrhundert, wie hier nachzulesen ist. Heute wird auf zwei Dritteln der Fläche ökologischer Landbau betrieben und die Erzeugnisse gleich im etwas luxuriösen Inselrestaurant verarbeitet.

Unser Luxus am Ankunftstag: Eine Tasse Kaffee auf der Restaurantterrasse mit Blick aufs Meer. Der kleine Luxus für mich selbst: Beim morgendlichen Joggingausflug über Feldwege zum Leuchtturm laufen und am Strand den Blick aufs Meer genießen. Einfach grandios, so in den Tag zu starten.

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Urlaub – was war das gleich noch?

Also wie schon gesagt: Bei uns sind jetzt Sommerferien. Wir waren auch im Urlaub. Wir haben die Koffer (in unserem Fall eher: Seesäcke) gepackt und fuhren zu fünft von Süd- nach Norddeutschland. Seesäcke deshalb, weil wir dort mit einem Segelboot auf der Ostsee rumschipperten. Mit insgesamt fünf Kindern und vier Erwachsenen (wir fuhren mit einer befreundeten Familie) auf engstem Raum auf einem Boot – das klingt für viele zugegeben nicht nach Erholung. Zumal wenn es sich bei unseren Kindern um einen Neunjährigen mit akuten Hörproblemen, einen lautstarken Fünfjährigen und eine willens- und bewegungsstarke Anderthalbjährige handelt. Aber es ist alles eine Sache der Einstellung bzw. der Erwartungshaltung, oder?

Bis es mal soweit ist  heisst es erstmal schuften!

Bis es mal soweit ist heisst es erstmal schuften!


Meine Einstellung zum Urlaub hat sich nämlich grundlegend gewandelt, seit wir mit Kindern verreisen. Urlaub hat seitdem keineswegs etwas mit Erholung zu tun. Als Eltern arbeitet man nämlich einfach weiter, nur eben unter anderen Rahmenbedingungen. Nur blöd, das die genannten Rahmenbedingungen im schlimmsten Fall deutlich ungünstiger sind als zuhause, also z.B. Kakaosorten, die Kinder zum Frühstück rigoros ablehnen, Ferienwohnungen mit gefährlichen Treppen oder Durchfahrtsstraßen direkt vor dem Hoteleingang, was eine ständige Eins-zu-Eins-Betreuung der Jüngsten notwendig macht, zu dicke Mauern für das Babyphone, etc. etc.… In unserem Fall: Ein Segelschiff, wo einfach keiner über Bord gehen darf.

Doch wenn man Glück hat (und das sind dann die Urlaubsziele, die man am besten gleich wieder für nächstes Jahr reserviert – wie spießig aber auch wie notwendig mit Schulkindern!), stimmen die Rahmenbedingungen (und auch das Wetter!), so dass auch bei den Eltern irgendwann der ersehnte Erholungseffekt auftritt. Bis es allerdings so weit kommen kann steht uns Eltern (let’s face it: es sind in diesem Fall doch zu 99% die Mütter – warum eigentlich?) aber das schwerste Stück Arbeit bevor: Denn wir müssen packen!

Es soll ja Leute geben, die ihre Siebensachen innerhalb von zwei, drei Stunden abreisefertig haben. Es soll auch Leute geben, die ihr Reisegepäck und das ihrer Liebsten generalstabsmäßig bereits drei Wochen vorher zusammensortieren und dann stressfrei und pünktlich losfahren können. Ich kann das leider nicht. Ich bin ein typischer Last-Minute-Packer. Hinzu kommt, dass bei mir, sobald ich eine Reisetasche aus dem Keller hole und auch nur überlege, was denn darin einzupacken wäre, akute Reiseübelkeit einsetzt.

Vielleicht versetzt schon die bloße Vorstellung, dass ich meinen Kleiderschrank und den meiner drei Kinder nun durchforsten muss und eine Auswahl treffen muss (schrecklich!) meinen Magen in Aufruhr. Kompliziert wird es, wenn ich gleichzeitig auch noch im Auge behalten muss, was sich gerade in der Wäsche befindet und wieviele Kleidungsstücke bis zum Abreisetag noch von den Kindern angezogen werden bzw. theoretisch dreckig werden könnte. Die Wettervorhersage am Zielort muss ohnehin ständig überprüft werden, denn wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wer wie ich schon einmal an Ostern in einem Sizilianlischen Ferienhaus mit meterdicken Steinmauern die Nächte durchgefroren hat, packt lieber mal einen Pullover zuviel ein. Die Angst, dass die eigenen Kinder falsch (d.h. nicht wettergemäß) angezogen sein könnten, steigert sich bei drei Kindern natürlich exponentiell.

Ich weiss, viele werden jetzt mit den Schultern zucken: Läuft man halt mal nicht mit den Lieblingssachen bzw. dreckigen Sachen rum. Recht haben sie. Das Dumme ist nur: Ich kann mich so nicht entspannen. (Zumindest nicht vor dem Urlaub!) Ich bewundere eine vierköpfige Nachbarsfamilie, die mit Fahrrädern und Radtaschen eine ganze Woche Urlaub machte. Ich weiß, dass ich in diesem Fall mindestens einen schwerbepackten Fahrradanhänger hinter mir herziehen würde, der Regenhosen, Gummistiefel, Vliesjacken und atmungsaktive Outdoorjacken für alle Familienmitglieder enthielte.

Nun ja, vielleich bin ich auch einfach ein risikoaverser, entscheidungsschwacher Mensch, der erst möglichst alle Unwägbarkeiten überdenken muss, um sich dann mit den ausgewählten Dingen auch gut ausgerüstet zu fühlen. Das komische ist nämlich: Habe ich meine Entscheidung erst einmal getroffen und sind die Siebensachen eingepackt, dann ist es gut und die Vorfreude lässt sich langsam blicken. Bis man seine Habseligkeiten allerdings auf diese wenigen, essentiellen Dinge durchforstet hat, das ist zumindest bei mir ein qualvoller Weg. Besonders, wenn drei schreiende, sich streitende Kinder um einen herumtoben.

Damit hier keine Verwirrung aufkommt: Ich reise sehr gerne, freue mich an anderen Kulturen und muss im Urlaub nicht alles so wie zuhause haben. Wir haben z.B. damals noch zu viert eine Asienreise mit einem fünf- und einem knapp zweijährigen Kind unternommen und haben uns dort auch mit wenig mitgebrachten Dingen und übrigens fast ohne mitgebrachtes Spielzeug wohlgefühlt.

Jedenfalls: Nachdem mein Mann mir beim Taschenpacken ins Gewissen geredet hatte („auf einem Boot braucht man nicht so viele Klamotten“) hatte ich pflichtschuldigst meine Reisegarderobe noch weiter reduziert. Danach traf ich ihn in der Küche, wo er also leidenschaftlicher Koch „nur ein paar Gewürze“ mitnehmen wollte. („Du hast nicht zufällig die Zimtstangen gesehen?“) Hallo, habe ich da was falsch verstanden, auf einem Schiff nimmt man doch nur das Allernötigste…?!

Die große Freiheit

In einigen deutschen Bundesländern sind die Sommerferien bereits zu Ende. Hier im Süden geht’s nun erst richtig los: Unser ältester Sohn genießt seit ein paar Tagen die „grosse Freiheit“ auf dem Weg von der dritten in die vierte Klasse. Nachdem der letzte Schultag traditionell mit einem Eis gefeiert wurde (bei Vorlage des Zeugnisses ist in unserer Eisdiele eine Kugel umsonst) dann der erste Ferientag: Euphorisch herbeigesehnt, und doch dauert es noch nicht mal bis zum Mittagessen und ich bekomme in gedehntem Tonfall zu hören: „Mama, mir ist langweilig…!!!“

Der Sommerhimmel über unserem Garten, fotografiert vom Sohn.

Der Sommerhimmel über unserem Garten, fotografiert vom Sohn.

Der imaginäre Erziehungsratgeber in meinem Kopf ruft da natürlich: „Genau, super – endlich mal Langeweile, da kommen den Kindern dann doch irgendwann die besten Ideen. Wichtig für die Kreativität!!“ Doch bis sich diese Kreativität entfalten kann muss ich erst mal mit Junior ein paar Runden Quartett spielen. Dann endlich Nachmittag, der Kreativitätsschub lässt immer noch auf sich warten. Aber da: Hat es nicht an der Tür geklingelt? Die Rettung naht.

Ein Nachbarsjunge, der ähnlich meinem Sohn in karierte kurzen Hosen und Angry-Birds-T-Shirt durch den Sommer hüpft. Wenig später der zweite und dann sogar ein dritter. Sie verwandeln die Wohnung in eine Lego-Star-Wars-Hölle. Plündern den Kühlschrank und essen eine ganze Melone in Nullkommanix auf. Machen laut Musik auf allen möglichen und unmöglichen Instrumenten und laden zum Konzert ihre Mütter in unser Wohnzimmer ein. Sie rennen laut schreiend in Badehose durch den Tropfenregen des Rasensprengers im Garten. Sie verschwinden (gottlob) auf die grosse Wiese und machen die Spielstrasse unsicher. Von mir aus dürfen sie dort toben, bis es dunkel ist. Ich erinnere mich an meine eigene Kindheit in heißen Sommern: das lange Aufbleiben, das Draußen-Sein am Abend wenn die Sonne gleich untergeht, mit den Nachbarskindern rumrennen und sich frei fühlen. Wie schön, wenn sich meine Kinder daran auch mal erinnern!!

Allo? Wu!

Unsere kleine Tochter spricht. Das heißt, sie lernt gerade sprechen. Ihr Wortschatz, der aus zahlreichen Lauten, selbsterschaffenen, verdrehten Worten und „richtigen“ Worten besteht, wird von allen Familienangehörigen bereits bestens verstanden. Das Kind ist ohnehin sehr kontaktfreudig, sehr zum Entzücken der Umwelt.

"Brilla" ist gehört selbstverständlich auch zum Wortschatz.

„Brilla“ gehört selbstverständlich auch zum Wortschatz.

Begegnen wir einem Nachbarn im Treppenhaus oder Gemeinschaftskeller schallt ihm oder ihr stets ein „Allo!“ entgegen, gerne auch vier- oder fünfmal – nur zur Sicherheit, dass das Gegenüber es auch richtig versteht. Lernen durch Wiederholen. Der ältere Herr aus dem dritten Stock machte sich neulich einen Spass daraus, ihr von dort oben im Treppenhaus immer wieder „Hallo“ nach unten ins Erdgeschoss zuzurufen, was sie mit wachsender Begeisterung dazu veranlasste, jedesmal mit „Allo“ zu antworten.

Jeder, dem wir außerhalb unseres Hauses begegnen und den ich grüße, wird von ihr ebenfalls mit einem deutlichen „Allo“ begrüßt. Lernen durch Nachahmen. Eine vorbeiradelnde Nachbarin fiel neulich vor Begeisterung fast vom Rad, als ihr dieser knapp 80 cm kleine Mensch, in grasgrünen Crocs vor sich hinstiefelnd, vom Wegesrand fast nebenbei und ganz selbstverständlich „Allo“ zurief.

Bezaubert war auch ein Engländer, der in der Wohnung ganz oben kürzlich zu Besuch war. Er war gerade dabei, aus dem Kellerabteil ein paar Flaschen Bier zu holen, als sie sich vor ihm aufbaute und ihm freudestrahlend mit einer gewissen Penetranz mehrfach „Allo“ zurief, was er prompt jedesmal mit „Hello“ quittierte. So ging das eine Weile hin und her, bis sie den armen Mann schließlich zum Aufzug passieren ließ, wo er glückselig grinsend nach oben fuhr.

Noch ist unsere Tochter in der Ein-Wort-Phase, sie ist gerade anderthalb geworden. Ihr aktiver Wortschatz hat jedoch bereits einen beträchtlichen Umfang und umfasst kompliziertere Worte wie „Kukas“ (Rucksack) aber auch Dinge wie „Gogge“ (Socken), „Gagge“ (Jacke), „Wuff“ und „Muh“. Manche Worte geben uns allerdings Rätsel auf – Erschallt der Ruf „Gille!!!“, dann heißt das einfach, dass sie etwas trinken möchte, warum auch immer sie sich diese Lautfolge dazu ausgesucht hat. Na ja, Hauptsache, wir verstehen sie.
Wir rätseln allerdings noch, was es mit „Gola“ auf sich hat. Ganz sicher nicht die dreiste Forderung nach „Cola“ (jedenfalls hoffe ich das), denn das zählt nicht zu unserer Stanbdard-Kühlschrank-Ausstattung. Aber ziemlich sicher irgendwas zu Essen („Schokolade“?), denn das ist nach Rumstiefeln und Leute-Grüßen derzeit die eigentliche Hauptbeschäftigung unserer Tochter.