Urlaub – was war das gleich noch?

Also wie schon gesagt: Bei uns sind jetzt Sommerferien. Wir waren auch im Urlaub. Wir haben die Koffer (in unserem Fall eher: Seesäcke) gepackt und fuhren zu fünft von Süd- nach Norddeutschland. Seesäcke deshalb, weil wir dort mit einem Segelboot auf der Ostsee rumschipperten. Mit insgesamt fünf Kindern und vier Erwachsenen (wir fuhren mit einer befreundeten Familie) auf engstem Raum auf einem Boot – das klingt für viele zugegeben nicht nach Erholung. Zumal wenn es sich bei unseren Kindern um einen Neunjährigen mit akuten Hörproblemen, einen lautstarken Fünfjährigen und eine willens- und bewegungsstarke Anderthalbjährige handelt. Aber es ist alles eine Sache der Einstellung bzw. der Erwartungshaltung, oder?

Bis es mal soweit ist  heisst es erstmal schuften!

Bis es mal soweit ist heisst es erstmal schuften!


Meine Einstellung zum Urlaub hat sich nämlich grundlegend gewandelt, seit wir mit Kindern verreisen. Urlaub hat seitdem keineswegs etwas mit Erholung zu tun. Als Eltern arbeitet man nämlich einfach weiter, nur eben unter anderen Rahmenbedingungen. Nur blöd, das die genannten Rahmenbedingungen im schlimmsten Fall deutlich ungünstiger sind als zuhause, also z.B. Kakaosorten, die Kinder zum Frühstück rigoros ablehnen, Ferienwohnungen mit gefährlichen Treppen oder Durchfahrtsstraßen direkt vor dem Hoteleingang, was eine ständige Eins-zu-Eins-Betreuung der Jüngsten notwendig macht, zu dicke Mauern für das Babyphone, etc. etc.… In unserem Fall: Ein Segelschiff, wo einfach keiner über Bord gehen darf.

Doch wenn man Glück hat (und das sind dann die Urlaubsziele, die man am besten gleich wieder für nächstes Jahr reserviert – wie spießig aber auch wie notwendig mit Schulkindern!), stimmen die Rahmenbedingungen (und auch das Wetter!), so dass auch bei den Eltern irgendwann der ersehnte Erholungseffekt auftritt. Bis es allerdings so weit kommen kann steht uns Eltern (let’s face it: es sind in diesem Fall doch zu 99% die Mütter – warum eigentlich?) aber das schwerste Stück Arbeit bevor: Denn wir müssen packen!

Es soll ja Leute geben, die ihre Siebensachen innerhalb von zwei, drei Stunden abreisefertig haben. Es soll auch Leute geben, die ihr Reisegepäck und das ihrer Liebsten generalstabsmäßig bereits drei Wochen vorher zusammensortieren und dann stressfrei und pünktlich losfahren können. Ich kann das leider nicht. Ich bin ein typischer Last-Minute-Packer. Hinzu kommt, dass bei mir, sobald ich eine Reisetasche aus dem Keller hole und auch nur überlege, was denn darin einzupacken wäre, akute Reiseübelkeit einsetzt.

Vielleicht versetzt schon die bloße Vorstellung, dass ich meinen Kleiderschrank und den meiner drei Kinder nun durchforsten muss und eine Auswahl treffen muss (schrecklich!) meinen Magen in Aufruhr. Kompliziert wird es, wenn ich gleichzeitig auch noch im Auge behalten muss, was sich gerade in der Wäsche befindet und wieviele Kleidungsstücke bis zum Abreisetag noch von den Kindern angezogen werden bzw. theoretisch dreckig werden könnte. Die Wettervorhersage am Zielort muss ohnehin ständig überprüft werden, denn wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wer wie ich schon einmal an Ostern in einem Sizilianlischen Ferienhaus mit meterdicken Steinmauern die Nächte durchgefroren hat, packt lieber mal einen Pullover zuviel ein. Die Angst, dass die eigenen Kinder falsch (d.h. nicht wettergemäß) angezogen sein könnten, steigert sich bei drei Kindern natürlich exponentiell.

Ich weiss, viele werden jetzt mit den Schultern zucken: Läuft man halt mal nicht mit den Lieblingssachen bzw. dreckigen Sachen rum. Recht haben sie. Das Dumme ist nur: Ich kann mich so nicht entspannen. (Zumindest nicht vor dem Urlaub!) Ich bewundere eine vierköpfige Nachbarsfamilie, die mit Fahrrädern und Radtaschen eine ganze Woche Urlaub machte. Ich weiß, dass ich in diesem Fall mindestens einen schwerbepackten Fahrradanhänger hinter mir herziehen würde, der Regenhosen, Gummistiefel, Vliesjacken und atmungsaktive Outdoorjacken für alle Familienmitglieder enthielte.

Nun ja, vielleich bin ich auch einfach ein risikoaverser, entscheidungsschwacher Mensch, der erst möglichst alle Unwägbarkeiten überdenken muss, um sich dann mit den ausgewählten Dingen auch gut ausgerüstet zu fühlen. Das komische ist nämlich: Habe ich meine Entscheidung erst einmal getroffen und sind die Siebensachen eingepackt, dann ist es gut und die Vorfreude lässt sich langsam blicken. Bis man seine Habseligkeiten allerdings auf diese wenigen, essentiellen Dinge durchforstet hat, das ist zumindest bei mir ein qualvoller Weg. Besonders, wenn drei schreiende, sich streitende Kinder um einen herumtoben.

Damit hier keine Verwirrung aufkommt: Ich reise sehr gerne, freue mich an anderen Kulturen und muss im Urlaub nicht alles so wie zuhause haben. Wir haben z.B. damals noch zu viert eine Asienreise mit einem fünf- und einem knapp zweijährigen Kind unternommen und haben uns dort auch mit wenig mitgebrachten Dingen und übrigens fast ohne mitgebrachtes Spielzeug wohlgefühlt.

Jedenfalls: Nachdem mein Mann mir beim Taschenpacken ins Gewissen geredet hatte („auf einem Boot braucht man nicht so viele Klamotten“) hatte ich pflichtschuldigst meine Reisegarderobe noch weiter reduziert. Danach traf ich ihn in der Küche, wo er also leidenschaftlicher Koch „nur ein paar Gewürze“ mitnehmen wollte. („Du hast nicht zufällig die Zimtstangen gesehen?“) Hallo, habe ich da was falsch verstanden, auf einem Schiff nimmt man doch nur das Allernötigste…?!

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Der eingebildete Kranke

Der älteste Sohn hat seit neuestem ein Waveboard. Er ist damit letzten Sonntagabend nach draußen verschwunden mit den knappen Worten: „Ich geh nochmal auf die Spielstraße.“ Recht so, sie werden halt selbständiger. Eine halbe Stunde später kommt ein weinendes Häuflein Elend mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück. Der linke Ellenbogen: Vom Wackelbrett gefallen und abgerollt – nun tut es höllisch weh. Wir versuchen, den Arm zu untersuchen, der Patient wehrt sich theatralisch.

Am nächsten Tag dennoch: Erst mal Schule. Denn morgens saß der Sohn, sich unbeobachtet wähnend, am Schreibtisch und hat ohne Beschwerden Strichmännchen gemalt, wobei er sich auf dem schmerzenden Arm problemlos abstützte. Wir beschließen, die Sache zu beobachten. Zwei Tage später, den Arm hält er permanent in einer Schonhaltung, entschuldige ich ihn in der Schule und setze mich mit ihm vormittags fast drei Stunden in ein volles Wartezimmer einer orthopädischen Praxis. Wir haben altersgemäße Lektüre dabei (die „Drei Fragezeichen“), aber auch nach zwei Stunden weigert sich der Sohn, in dem Buch auch mal selbst zu lesen, anstatt sich die wenigen Bilder darin nur anzuschauen. Stattdessen (in solchen Fällen ist das bei uns erlaubt): Handyspiele – sozusagen bis der Arzt kommt.

Dann endlich: Wir werden aufgerufen! Der Arzt ist Kinderprofi: Mein Sohn darf vormachen, wie es passiert ist und dabei wird klar: Er kann sich ohne Probleme auf dem Arm abstützen. Und nach mehreren Faustschlägen in die Hand des Arztes ist der letzte Zweifel beseitigt: Da kann nichts wehtun. Zur Sicherheit gibt es trotzdem Ultraschall, falls sich irgendwelche Flüssigkeit gebildet hat. Ich versuche, abgeklärt und verstehend zu nicken. Aha, keine Flüssigkeit. Also alle ok! „Das ist wohl doch eher eine imaginäre Krankheit, damit vielleicht ein Eis mehr rausspringt“, konstatiert der Arzt und lächelt freundlich. „Sie haben alles richtig gemacht“, meint er schon fast tröstend, dann gehe ich lächelnd und mich irgendwie bedeppert fühlend aus dem Behandlungszimmer mit meinem Kind.

Mein Sohn hat tatsächlich einfach alle richtig gemacht an diesem Tag: Die Schule geschwänzt, stattdessen vormittags zwei Stunden Handyspiele gemacht, nach dem Arzt direkt zu McDoof, denn das hatte ich ihm im Wartezimmer versprochen, um ihn bei Laune zu halten. Nach dem Schnellimbiss dann noch auf einen Sprung zu Karstadt – um die zwei Euro Taschengeld auf den Kopf zu hauen. Was will man mehr als fast Neunjähriger? Nur dumm, dass morgen wieder Schule ist…

Von Mäusen und Cabrio-Sonnen

Guten-Nacht-Rituale sind ja bekanntermaßen einer der neuralgischen Punkte im Familienalltag. Nicht umsonst gibt es ein Buch mit dem Titel „Go the fuck to sleep“ eines amerikanischen Autors (glaube ich), das sich anscheinend sehr erfolgreich verkauft. In unserer Familie gibt es die Bettkantengeschichte – aber nicht etwa vorgelesen, sondern bitteschön aus dem Stehgreif von Mama erfunden. (Papa hat hier leider weder Kernkompetenzen noch Akzeptanz bei der Zielgruppe). Sozusagen das allerletzte Betthupferl, nach dem ganzen Umzieh-Zähneputzen-Vorlese-Wahnsinn, der sich manchentags in die Länge zieht wie ein hochkomplizierter Nasa-Raketenstart.

Ich hatte irgendwann damit angefangen (100 Mutti-Bonuspunkte – es ist ja auch wirklich wunderschön, eine live und persönlich erfundene Geschichte erzählt zu bekommen) und es dann oft verflucht, aber trotzdem zähneknirschend an vielen Abenden eine improvisierte Spontangeschichte geliefert. Wenn ich in Hochform war, habe ich in die Geschichten sogar gerade anliegende Themen untergebracht (z.B. Angst vor dem Arztbesuch, Kindergeburtstag, Einschulung, eben alles was in einem Kinderleben so auftaucht und verarbeitet werden will). Es sei denn, es war schon megaspät oder meine Nerven wirklich völlig am Ende.

Auf diese Weise haben wir also die Abenteuer eines kleinen Tigers namens Toggy und seinen Freunden miterlebt sowie das rasante Leben eines kleinen Rennwagens (in Anlehnung an einen sehr bekannten Kinofilm) in unzähligen Folgen miterlebt. Aktuell ist gerade „Die Maus“ am Start. Aus dem Hochbett tönt es dann abends regelmäßig heraus: „Ist die Maus zuhaus?“. Mit der „Sendung mit der Maus“ hat das übrigens gar nichts zu tun, entstanden ist das Thema vielmehr aus der „Ein-Satz-Geschichte“, die ich in meiner Verzweiflung zuletzt eingeführt hatte. („Du willst wirklich noch eine Geschichte? Also gut, aber nur gaaanz kurz!“) Kurz? Pustekuchen: Mittlerweile hat die Maus schon fliegen, schwimmen und tauchen gelernt, war am Nordpol und hat ihre Freundin die Waldmaus aus den Klauen eines Adlers gerettet. Und gestern abend war sie eben im Weltraum. Meine Kinder liefern mittlerweile gerne das Stichwort zur Geschichte (z.B. „Heute fliegt die Maus um die Welt“) – und ich kann dann schauen, wie ich das gebacken bekomme.

Immerhin: Bei der Bettkantengeschichte gibt man nicht nur etwas, sondern bekommt manchmal auch etwas – nämlich einen Extra-Einblick in den Kinderkosmos durch spontane Kommentare oder Fragen der Kids. Bei der Gelegenheit tat mir mein mittleres Kind neulich auch seine eigenen Vorstellungen vom Astronautendasein kund: „Mama, ich werde kein Astronaut.“ Ich: „So? Warum denn?“ Kind:“Da gibt’s immer Sushi zu essen und diese scharfe Soße!“ Ich: „Hä?“ Kind: „Und Salat und Gurke!“ Ich: „Woher weisst Du denn das?!“ Kind: „Na das steht in meinem Weltraumbuch“ Ich: „Das schauen wir morgen nochmal nach, ok?“ Kind: „Und zu Trinken Cabrio-Sonne!“ Ich: „Iiih gitt, wie eklig, dieses Zuckerwasser…“ (Anm.: Mein Kind liebt Capri-Sonne. Dieses Teufelszeug – das ich selbst in meiner 70er-Jahre-Kindheit seltsamerweise ohne Langzeitschäden konsumiert habe – hat es bisher genau einmal getrunken, nämlich als „Mitgebsel“ bei einem Kindergeburtstag.)

Sauber werden

Irgendwann ist es wirklich soweit, und die Windeln haben ausgedient. Aber bis man endlich den Familienurlaub um einige Windelpakete leichter antreten kann, ist es leider ein oft mühsamer, wenn nicht sogar qualvoller Weg… Aber lest selbst einen Auszug aus meine zum Glück schon einige Jahre alten Leidensprotokoll: (ohne Scheiß, echt wahr!):

15:30 Uhr
Hole meinen dreijährigen Sohn vom Kindergarten ab. Die Erzieherin teilt mir lapidar mit, dass sie ihn zum Pippimachen geschickt habe, anschließend musste sie nicht nur seine Kleider sondern auch noch den ganzen Flur von der Toilette zum Gruppenraum putzen – der braune Horror! Sie überreicht mir mit spitzen Fingern eine Plastiktüte, die ich nicht zu öffnen wage (seine kontaminierten Kleider!). Werde kurz rot und drücke mein Bedauern aus. Versuche sie damit zu trösten, dass es meine Nachbarn neulich noch schlimmer erwischt hat: Nachdem mein Sohn dort auf dem Spieltepich des Nachbarsohnes sein großes Geschäft verrichtet hatte und dies erst verspätet bemerkt wurde, musste ich dort die komplette Dusche putzen – wohin er kurzerhand verfrachtet worden war. Mein Nachbar (Vater zweier Söhne und ebenfalls leidgeprüft) schrubbte derweil auf Knien den Teppich.

17:30 Uhr
Bin gerade mit meinem einjährigen Sohn am Wickeltisch beschäftigt (Komplettwechsel), da höre ich aus dem Wohnzimmer den Älteren rufen: „Kacka am Finger“. Es dauert einige Sekunden, bis die Nachricht in meinem Gehirn ankommt, dann geht alles ganz schnell. Ich schreie „Nicht bewegen!“ und stürze ins Wohnzimmer, das halbnackte Baby auf dem Arm. Der Große sitzt auf dem Sofa (!!), zum Glück in der Windel, die er schon zum Schlafen bekommen hat. Darin ist tatsächlich Kacka, nur leider hat er dies wohl selbst mit seinem Finger überprüft und das Ergebnis auf den Couchtisch geschmiert. Ich bekomme einen Ekel- und Schreianfall, lasse das weinende Baby allein auf dem Teppich zurück und stürze mit dem älteren Bruder ins Bad, wo er eine Komplettreinigung erhält.

20:30 Uhr
Kinder im Bett, endlich Feierabend? Ich will mich gerade erschöpft aufs Sofa sinken lassen – aber nein, da war doch noch was: Ich wage es endlich, die Plastiktüte zu öffnen, die mir die Erzieherin überreicht hat. Beförderer den Inhalt ohne ihn anzusehen in die Waschmaschine und anschließend in den Trockner.

P.S.: Der neuester Spruch meines Sohnes aus dem Kindergarten lautet übrigens: „Hör auf, Kacka!“ Zum Beispiel, wenn ich ihn bitte, anständig zu Essen oder sich anzuziehen. Der braune Horror lauert eben überall.

Der Lindwurm

„Mama, jetzt hab ich einen Lindwurm“, erklärt mein fünfjähriger Sohn eines Morgens feierlich, als er sich, noch im Schlafanzug, an den Frühstückstisch setzt. „Du hast einen – was?“ „Na einen Lindwurm!“ Zwei grüne Augen schauen mich vorwurfsvoll an. „Daaa, da dada da daa!“ intoniert er. Mein Gehirn, das die optimale Betriebsgeschwindigkeit um 6 Uhr 45 meist noch nicht erreicht hat, durchforstet mühsam diverse Möglichkeiten: Bringt er da was aus der gestern vorgelesenen Rittergeschichte durcheinander? Hat er schlecht geträumt nach der zuletzt geguckten vielleicht nicht ganz altersgerechten DVD? Oder ein neues, besonders abscheuliches Spielzeug, das Geräusche von sich gibt und das ihm ein Kindergartenfreund ausgeliehen hat?

Weil ich anscheinend immer noch sehr begriffsstutzig dreinschaue, setzt er zu einer ausführlicheren Erklärung für geistig besonders minderbemittelte Mütter an: „Na so ein Lied, das geht mir immer so im Kopf rum! Immer!! Das ham wir im Kindergarten gestern gehört!“ Erneut ein vorwurfsvoller Blick. Da fällt es mir wie Schuppen von den Ohren: „Ach so, Du meinst einen OHRWURM!“ Kräftiges Nicken. „Ja, das kenn ich“, sage ich mitfühlend (und muss natürlich schmunzeln, denn „Lindwum“ – wie süß ist DAS denn! )

Ich selbst werde auch pausenlos von Ohrwürmern gequält. Ob es der quäkende, von Dirk Bach intonierte  Käptn Sharky ist, der quietschfidele Ritter Rost oder der leidlich sympatische Drache Kokosnuss – in meinem Gehirn sind ihre Titelmelodien für alle Zeiten abgespeichert. Auch wenn es bei uns natürlich keine akustische „Dauerberieselung“ gibt – aber eine längere Autofahrt genügt oft schon, damit sich so eine Titelmelodie für die nächsten Tage und Nächte im Gehörgang festsetzen kann. Und wenn man einmal  eine Urlaubsfahrt über 800 km in die Toskana vor sich hat, ist man doch zu dem einen oder anderen akustischen Kompromiss bereit.

Parallel zum Alter meiner Kinder entwickelt sich natürlich auch mein Repertoire weiter. Mein Alltag als berufstätige Mutter spielt sich zu den Soundtracks der „Drei Fragezeichen“ und der allgegenwärtigen „Star Wars“-Episoden ab. Nur Benjamin Blümchen habe ich bisher verweigert. Immerhin habe ich es geschafft, ein paar Klassiker aus meinen eigenen Kindertagen einzuführen: Wickie, Signor Rossi und der Rosarote Panther, die Sesamstraße und die Muppet Show – das hatte wenigstens noch Stil! Und ein echtes Highlight auch für Erwachsene ist sind die bayrischen Hörspielkomödien von Dr. Döblingers Kasperltheater.

Immerhin: Die wenigen Momente, die ich dann mit „meiner“ Lieblingsmusik (denn die gibt es zum Glück auch) verbringen kann, genieße ich heute besonders intensiv.

Es gab eine Zeit…

… da gab es für mich noch kein Leben mit Kindern. Ich konnte das Haus verlassen ohne eine fast koffergroße Tasche mit mir zu führen, die Windeln, Feuchttüchern, Apfelschnitze (ohne Schale!), Heftpflaster im Disney-Design und sonstige lebensnotwendige Dinge enthält. Ich konnte nach getaner Büroarbeit zum Joggen, Shoppen oder „Was-Trinken“- gehen ohne frühzeitig einen Termin mit einem Babysitter vereinbart zu haben und dann zu hoffen, dass der dann auch pünktlich ist. Ich konnte mit meinem Liebsten ganz schamlos die Möglichkeiten zu preisgünstigen, menschenleeren Vor- und Nachsaison-Urlauben nutzen. Ich konnte abends mit meinem Angetrauten in einem Restaurant sitzen ohne auf den Menüpreis automatisch die fünf Stunden Babysitter draufzuschlagen. Ich konnte zuhause telefonieren ohne mich dazu in einen schalldichten Raum zurückzuziehen.

Und dann kamen sie. Mittlerweile sind sie zu dritt. Vom täglichen Leben mit diesen herzzerreißend liebenswerten, chaotischen, lauten, anstrengenden und einfach großartigen kleinen Leuten handelt dieses Blog.