Gender-Debatte mal anders

Die gerade mal zweijährige Tochter steht vor dem Spiegel, zähneputzend – oder besser: Zahnbürste kauend. Plötzlich: „Ich bin ein Mädchen!“ Blick nach rechts zur Mama. Ich nicke aufmunternd „Ja, genau!“ Bei mir denke ich: „Können die das in dem Altern wirklich schon wissen oder hat ihr das in der Krippe jemand gesagt und sie plappert es nur nach?

Die Zahnbürste wird weiter gekaut. Dann: „L. ist ein Junge!!“ Genau, nicke ich anerkennend, das ist der große Bruder. Und etwas später: „H. ist ein Junge!!!“ Das ist der mittlere Bruder. „Prima!!!“ freue ich mich und beschließe insgeheim, dass unsere Jüngste ein besonders schlaues Mädchen ist.

Junge oder Mädchen? Bei diesem Pink gar keine Frage...

Junge oder Mädchen? Bei diesem Pink ist das gar keine Frage…

Dann Blick zu mir: „Mama ist ein Junge!!!!“ Ich – ähem, nun ja – bin mal wieder ratlos. Was soll das denn nun bedeuten? Sehe ich aus wie ein Junge bzw. ein Mann? Zeige ich das, was man gemeinhin als typisch männliche Verhaltensweisen bezeichnet? Nun ja, wenn es darum geht, unbequeme Entscheidungen durchzusetzen („Das ipad kommt jetzt weg“ – oder: „Wir ziehen die Strumpfhose jetzt an!“) , bin ich inzwischen ziemlich gut. Aber bin ich deswegen gleich „ein Junge?“

Ich rätsele weiter, was sie genau damit meint und wenn ihr’s wissen wollt: Das Rätsel ist bis heute nicht gelöst. Nach wie vor behauptet unsere Tochter stoisch „Mama ist ein Junge“, wobei die anderen Familienmitglieder ihre „korrekte“ Geschlechtsbezeichnung beibehalten, als auch „Papa ist ein Junge“ – wobei der regelmäßig kocht und Wäsche wäscht und damit vorbildlich jeglichen Geschlechterrollenklischees entgegenwirkt.

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