Eine Frage des Stils

Der älteste Sohn ächzt über den Hausaufgaben. Ein Aufsatz über die Ferienerlebnisse ist gefragt. Solche unliebsamen Aufgaben schiebt unser Grundschüler gerne bis zum Abend vor sich her. „Der Papa soll mir helfen, der ist für Deutsch zuständig, du kannst besser Mathe“, heißt es zur Begründung. Der wahre Grund ist natürlich, dass der Papa einfach später heimkommt und man dann die unliebsame Aufgabe noch ein wenig länger vor sich her schieben kann…

Aber endlich und tatsächlich sitzt der Sohn also vor dem berühmten leeren Blatt am Schreibtisch und stöhnt. „Mir fällt nichts aaahaain!“ Nachdem zahlreiche Anregungen väterlicherseits („die Tropfsteinhöhle, das Gewitter am Strand, die nächtliche Überfahrt mit der Fähre!!!“) nur mit erneutem Stöhnen beantwortet wurden, schaue ich auf das Blatt. Dort steht ein einziger Einleitungssatz: „Am ersten Ferientag sind wir mit dem Auto zur Fähre gefahren.“

Ich wiederhole diverse Ideen, aufschreiben muss er das alles allerdings ganz höchst selbst und persönlich. Wäre ja nochmal schöner. Mein Sohn hört meinen Vorschlägen zu und schaut mich dann zweifelnd an: „Mama, das passt jetzt gar nicht. Du hast einen ganz anderen Stil als Papa.“

Den Aufsatz hat er dann schlussendlich doch noch alleine geschrieben. Und ich habe meine Lektion auch gelernt.