Alltagsschnipsel

Wir stehen mit den Fahrrädern an der roten Ampel, mein ältester Sohn und ich, mitten in der Innenstadt. Rechts neben uns auf dem Gehweg wartet ein semmelkauendes, schwules Paar darauf, dass die Fußgängerampel für sie grün wird. Mein Sohn ruft unüberhörbar nach vorne zu mir: „Mama, warum schmeckt das so unglaublich gut?“ und schwenkt dazu die Reste eines pinkfarbenen Kaugummipapiers – der Packungsinhalt bildet in seinem Mund einen riesigen Klumpen. Ich drehe mich um: „Weil Chemie drinnen ist“, sage ich. Man soll seine Kinder ja nicht anlügen. Die zwei Männer grinsen sich an, fühlen sich vielleicht an ihre eigene Kindheit erinnert. Wir fahren weiter, denn die Ampel ist grün.

Nach weiteren zehn Minuten steigen wir von unseren Rädern, wir sind angekommen. Jetzt schmeckt der Riesenbollen offenbar schon nicht mehr. Mein Sohn beschwert sich: „Das ist ja Betrug, sowas kauf ich mir von meine Taschengeld nicht mehr!“ Er hatte sich das Zeug vorher im Lottoladen bei der Schule gekauft, seinem „local Dealer“, den er täglich besuchen wüde, wenn sein taschengeld mehr hergäbe. Es handelt sich dieses Mal um etwas Zuckerwatteähnliches, das sich im Mund zu einem Kaugummi verwandelt. Ich nicke anerkennend: „Genau!“ Manche Fehler muss man eben jeden selbst machen lassen.

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