Schirm auf zwei Beinen

Es war ein grauer Regenmorgen und zwei Kinder stapften mit mir den kurzen Weg zur Kita. Wir waren gut ausgerüstet: Gegen das Regengrau bunt angezogen. Und natürlich Gummistiefel! Jedes Kind bekam einen kleinen Regenschirm – sehr zur Freude meiner kleinen Tochter. Sie war gleich begeistert von diesem neuartigen Gegenstand und umklammerte ihren blaugrünen Plastikschirm mit eisernem Griff. Ein Schirm auf zwei Beinen, die in knatschgelben kleinen Gummistiefeln steckten, marschierte da also stolz und mit großer Ernsthaftigkeit vor sich hin. Ich schmunzelte: Ein kleiner Farbklecks in diesem grauen Tag.
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Plötzlich Geschrei: Eine Böe hatte ihr den Schirm fast aus der Hand gerissen. Doch ihn deshalb einfach der Mama abgeben? Auf keine Fall! Also was tun? Gebückt nebenherlaufen in derselben Höhe konnte ich ja schlecht. Ich musste sie also hochnehmen und mit ihr den Schirm gemeinsam festhalten. Immerhin wurde das ohne Geschrei gestattet. Und zum Glück war es nicht weit… Beim Abholen von der Kita wieder dasselbe Schauspiel. Schirm im eisernen Griff, Böe kommt, Geschrei, Kind wird getragen.

Am nächsten Morgen war es zwar noch bedeckt, es regnet aber nicht mehr. Wir wollen gerade rausgehen. Ein gellender Aufschrei hielt mich zurück: „Schiaam“!! Aufgeregt deuteten zwei kleine Hände in Richtung des blaugrünen Plastikdings, das oben an der Garderobe hing. In letzter Sekunde hatte meine Tochter ihn erspäht. Undenkbar, das Haus ohne diesen neuen, aufregenden Gegenstand zu verlassen. Folgerichtig ging sie in Gummistiefeln und mit Schirm nach draußen.

Ich sah mich schon die kommenden Wochen und Monate einen Kinderschirm mit zwei gelben Gummistiefeln zur Kita geleiten, bei Regen, Schnee oder Sonnenschein. Zum Glück blieb mir dieses Schicksal dann doch erspart, denn nach ein paar Schirmtagen trat ein neuer, aufregende Gegenstand in das Leben unserer Tochter. „Hemm“ ruft sie nun, sobald sie den kleinen Fahrradhelm mit Bob-der-Baumeister-Motiv sieht, den sie von ihren Brüdern geerbt hat. Am liebsten würde sie damit den ganzen Tag umherstolzieren. Ergänzt wird dieses Accessoire dann noch vom „Rukas“, damit meint sie einen kleinen bunten Kinderrucksack, der nach Vorbild der großen Brüder unbedingt auf den Rücken muss. Und die Krönung seit ganz kurzem: „Hemm“ – „Farrad“ – „Pielplatz“ ! Alles klar?

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