Sardegna!!!

Urlaub auf Sardinien. In der Beschreibung zum Ferienhaus stand: 300 Meter zum Strand, 900 Meter zum Einkaufen. Großer, schöner Garten mit Grillplatz, drei Schlafzimmer, Waschmaschine. Und es ist alles genau so, einfach perfekt!

Zu Fuß jeden Tag zum Strand, dort den blau-weißen Schirm aufgestellt. Hinter uns das kleine Ristorante mit Pizza, Eis, Caffe. Plantschen im blauen Meer, die Jungs führen Krieg auf ihren Luftmatratzen. Um uns herum ein paar Italiener, auch andere Deutsche, meist mit Kindern, aber man hat Platz.

Wir sind in einem kleinen Badeort an der Ostküste, unser Häuschen ist in einer veritablen Wochenendhaussiedlung: Von Freitag bis Sonntag kommen die Einheimischen, Grillen und Lachen in ihren Gärten. Unter der Woche sind die wenigen deutschen Urlauber dann wieder unter sich.

Im Supermercato: Eine einzige Orgie aus Frutta, Verdure, Vino, Aperitivi, Pasta, Antipasti, Dolci. Und erst das Eis bei La Ginestra, der Gelateria ein paar Schritte weiter!

Pinienwälder und Bikini, der Italowahn ergreift wieder von mir Besitz. Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert, nur besser. Kein Teutonengrill sondern das herb-schöne Sardinen. Keine Bettenburgen, sondern Strandhausidylle und paprähistorische Nuraghen.

Urlaub – was war das gleich noch?

Also wie schon gesagt: Bei uns sind jetzt Sommerferien. Wir waren auch im Urlaub. Wir haben die Koffer (in unserem Fall eher: Seesäcke) gepackt und fuhren zu fünft von Süd- nach Norddeutschland. Seesäcke deshalb, weil wir dort mit einem Segelboot auf der Ostsee rumschipperten. Mit insgesamt fünf Kindern und vier Erwachsenen (wir fuhren mit einer befreundeten Familie) auf engstem Raum auf einem Boot – das klingt für viele zugegeben nicht nach Erholung. Zumal wenn es sich bei unseren Kindern um einen Neunjährigen mit akuten Hörproblemen, einen lautstarken Fünfjährigen und eine willens- und bewegungsstarke Anderthalbjährige handelt. Aber es ist alles eine Sache der Einstellung bzw. der Erwartungshaltung, oder?

Bis es mal soweit ist  heisst es erstmal schuften!

Bis es mal soweit ist heisst es erstmal schuften!


Meine Einstellung zum Urlaub hat sich nämlich grundlegend gewandelt, seit wir mit Kindern verreisen. Urlaub hat seitdem keineswegs etwas mit Erholung zu tun. Als Eltern arbeitet man nämlich einfach weiter, nur eben unter anderen Rahmenbedingungen. Nur blöd, das die genannten Rahmenbedingungen im schlimmsten Fall deutlich ungünstiger sind als zuhause, also z.B. Kakaosorten, die Kinder zum Frühstück rigoros ablehnen, Ferienwohnungen mit gefährlichen Treppen oder Durchfahrtsstraßen direkt vor dem Hoteleingang, was eine ständige Eins-zu-Eins-Betreuung der Jüngsten notwendig macht, zu dicke Mauern für das Babyphone, etc. etc.… In unserem Fall: Ein Segelschiff, wo einfach keiner über Bord gehen darf.

Doch wenn man Glück hat (und das sind dann die Urlaubsziele, die man am besten gleich wieder für nächstes Jahr reserviert – wie spießig aber auch wie notwendig mit Schulkindern!), stimmen die Rahmenbedingungen (und auch das Wetter!), so dass auch bei den Eltern irgendwann der ersehnte Erholungseffekt auftritt. Bis es allerdings so weit kommen kann steht uns Eltern (let’s face it: es sind in diesem Fall doch zu 99% die Mütter – warum eigentlich?) aber das schwerste Stück Arbeit bevor: Denn wir müssen packen!

Es soll ja Leute geben, die ihre Siebensachen innerhalb von zwei, drei Stunden abreisefertig haben. Es soll auch Leute geben, die ihr Reisegepäck und das ihrer Liebsten generalstabsmäßig bereits drei Wochen vorher zusammensortieren und dann stressfrei und pünktlich losfahren können. Ich kann das leider nicht. Ich bin ein typischer Last-Minute-Packer. Hinzu kommt, dass bei mir, sobald ich eine Reisetasche aus dem Keller hole und auch nur überlege, was denn darin einzupacken wäre, akute Reiseübelkeit einsetzt.

Vielleicht versetzt schon die bloße Vorstellung, dass ich meinen Kleiderschrank und den meiner drei Kinder nun durchforsten muss und eine Auswahl treffen muss (schrecklich!) meinen Magen in Aufruhr. Kompliziert wird es, wenn ich gleichzeitig auch noch im Auge behalten muss, was sich gerade in der Wäsche befindet und wieviele Kleidungsstücke bis zum Abreisetag noch von den Kindern angezogen werden bzw. theoretisch dreckig werden könnte. Die Wettervorhersage am Zielort muss ohnehin ständig überprüft werden, denn wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Wer wie ich schon einmal an Ostern in einem Sizilianlischen Ferienhaus mit meterdicken Steinmauern die Nächte durchgefroren hat, packt lieber mal einen Pullover zuviel ein. Die Angst, dass die eigenen Kinder falsch (d.h. nicht wettergemäß) angezogen sein könnten, steigert sich bei drei Kindern natürlich exponentiell.

Ich weiss, viele werden jetzt mit den Schultern zucken: Läuft man halt mal nicht mit den Lieblingssachen bzw. dreckigen Sachen rum. Recht haben sie. Das Dumme ist nur: Ich kann mich so nicht entspannen. (Zumindest nicht vor dem Urlaub!) Ich bewundere eine vierköpfige Nachbarsfamilie, die mit Fahrrädern und Radtaschen eine ganze Woche Urlaub machte. Ich weiß, dass ich in diesem Fall mindestens einen schwerbepackten Fahrradanhänger hinter mir herziehen würde, der Regenhosen, Gummistiefel, Vliesjacken und atmungsaktive Outdoorjacken für alle Familienmitglieder enthielte.

Nun ja, vielleich bin ich auch einfach ein risikoaverser, entscheidungsschwacher Mensch, der erst möglichst alle Unwägbarkeiten überdenken muss, um sich dann mit den ausgewählten Dingen auch gut ausgerüstet zu fühlen. Das komische ist nämlich: Habe ich meine Entscheidung erst einmal getroffen und sind die Siebensachen eingepackt, dann ist es gut und die Vorfreude lässt sich langsam blicken. Bis man seine Habseligkeiten allerdings auf diese wenigen, essentiellen Dinge durchforstet hat, das ist zumindest bei mir ein qualvoller Weg. Besonders, wenn drei schreiende, sich streitende Kinder um einen herumtoben.

Damit hier keine Verwirrung aufkommt: Ich reise sehr gerne, freue mich an anderen Kulturen und muss im Urlaub nicht alles so wie zuhause haben. Wir haben z.B. damals noch zu viert eine Asienreise mit einem fünf- und einem knapp zweijährigen Kind unternommen und haben uns dort auch mit wenig mitgebrachten Dingen und übrigens fast ohne mitgebrachtes Spielzeug wohlgefühlt.

Jedenfalls: Nachdem mein Mann mir beim Taschenpacken ins Gewissen geredet hatte („auf einem Boot braucht man nicht so viele Klamotten“) hatte ich pflichtschuldigst meine Reisegarderobe noch weiter reduziert. Danach traf ich ihn in der Küche, wo er also leidenschaftlicher Koch „nur ein paar Gewürze“ mitnehmen wollte. („Du hast nicht zufällig die Zimtstangen gesehen?“) Hallo, habe ich da was falsch verstanden, auf einem Schiff nimmt man doch nur das Allernötigste…?!